Der Helsinki-Report |
Beergame
Wer hätte sich das gedacht! Ganz offiziell und während der Dienstzeit spielen fast
alle Institutsmitglieder das "Beergame". Wenn ich an Wien denke, dann fällt mir
nur der Tee während eines kurzen, inoffiziellen Seminars ein, das ich am
"OR-Institut" (so die verkürzte Sprechweise für die Abteilung Operations Research und Systemtheorie
des Institutes f¨ür Ökonometrie, Operations
Research und Systemtheorie) gehalten habe...
Und die zweite Überraschung: Beim Beergame wurde kein Tropfen Bier getrunken. Man könnte
sogar sagen: Beim Beergame war nicht einmal Bier im Spiel! Da drängt sich natürlich die
Frage auf, was das soll, ein Beergame ohne Bier. Ich musz als überzeugter
Biernichttrinker gleich anmerken, dasz das Beergame hier immer ohne Bier gespielt wird -
das hat nichts damit zu tun, ob ich mitspiele oder nicht!
Der tiefere Sinn steckt auch nicht im Befriedigen unausgelebten Spieltriebes, sonder darin, dasz...
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle das Spiel erklären. Dann kann
sich jeder selber überlegen, was der Sinn des Spieles ist. (Falls jemand draufkommt,
möge er mir eine email schicken! :-) Also, das Spielfeld sieht folgendermaszen aus:
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Das viele Geld, das überall herumliegt, ist das Bier. Eine Münze kann - je nachdem, um welche es sich handelt - steht für eine oder für zehn Einheiten Bier (oder besser: liegen). Die vier groszen Quadrate auf der linken Seite stellen den Distributionsweg des Bieres dar: Rot ist die Fabrik, danach kommt der (zweistufige) Zwischenhandel, am Schlusz der Endverkäufer (ganz hinteres groszes Quadrat). Die kleinen Quadrate dazwischen sind die Transportwege. Die Münzen, die sich darin befinden, entsprechen dem Bier, das von einem Händler zum anderen unterwegs ist. Die Rechteck-Kette auf der rechten Seite sind die Bestellungen von jeweils einem Händler an den nächsthöheren.
Die Idee ist nun folgende: In jeder Woche erfährt der Endverkäufer die aktuelle Nachfrage nach Bier, die er aus seinem Lager befriedigen musz. Hat er zuviel auf Lager, zahlt er Lagerhaltungskosten. Kommt er der Nachfrage nicht nach, kostet das noch mehr (Strafe) - und er musz diese Nachfrage später befriedigen. Um zu Bier zu kommen, bestellt er beim ihm vorgelagerten Händler. Die Bestellungen kommen dort mit einer Verzögerung von zwei Wochen an - ebenso wie das Bier zwei Wochen von diesem Händler zu ihm unterwegs ist.
Der erste Zwischenhändler bestellt ebenso beim zweiten, dieser wiederum bei der Fabrik. Alles geschieht immer mit zwei Wochen Verzögerung, was die Sache erst richtig spannend macht. Auszerdem hat nur der Endverkäufer die Informationen über die aktuelle Nachfrage - alle anderen Händler und der Produzent kennen nur die bei ihnen bestellte Menge an Bier.
Der Witz ist nun, dasz die Nachfrage anfangs konstant bei 4 liegt, später aber plötzlich auf 8 springt und dann konstant bleibt. Nur: das weisz man während des Spiels natürlich noch nicht!!! Und wie sich zweigt, bringt dieser eine Sprung gemeinsam mit den vielen Verzögerungen in der Bestellkette schon heftigste Überreaktionen! Es dauert einige Wochen, bis sich der Wunsch nach mehr Produktion bis zum Produzenten durchgesprochen hat. Dann haben alle Händler Lieferrückstände und verlangen entsprechend noch mehr (und schon zuviel). Und endlich kommen dann die gewünschten Mengen an - doch aufgrund der Sorge um die Lieferrückstände hat jeder Händler zuviel bestellt, und nun weisz niemand mehr, wohin mit dem ganzen Bier...
Schlieszlich wurden dann einige Grafiken gezeichnet, die zur Analyse
dienen.
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Prof. Hamalainen leitete am Schlusz eine aufschluszreiche Diskussion über die Fehler, die in den Bestellungen begangen wurden. Eigentlich ist man ja angesichts des Bierüberschusses versucht zu fragen: "Welche Fehler?" Doch schnell werden die (durstigen) Gedanken nüchterner, wenn man sich wieder bewuszt macht, dasz es sich nur um Spiel-Bier in einem Bierspiel handelt - und dasz man es nach dem Spiel sogar noch wegräumen musz...
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