Der Helsinki-Report |
Fuji Finnland
Als ich im November hier angekommen bin, hat es mir zunächst leid getan, daß ich meinen Photoapparat nicht dabei hatte. Schließlich gibt's hier eine ganze Menge zu sehen. Zu Weihnachten habe ich ihn dann mitgenommen. Gleich nach meiner Ankunft habe ich mich dann auf die Suche nach Diafilmen gemacht. Gut, gefunden waren sie schnell. Alle Marken, alle Filme: vom billigsten bis zum professionellen, was man sich nur wünscht. Moment, sagte ich "vom Billigsten"...
Das war dann nämlich der Schock: die Preise sind in Finnmark, nicht in Schilling. Hätte ja sein können. Für alle, die sich der Tragweite dieser Erkenntnis nicht bewußt sind: das bedeutet Preis mal 2.4! Keine besonders angenehme Erkenntnis, nicht wahr? Also ging die Suche weiter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, in Österreich einmal eine Dreierpackung Kodak Diafilme inklusive Entwicklung recht günstig gekauft zu haben. Idee! Ich brauche sicher einige Filme, warum nicht gleich eine 10er-Packung kaufen? Da gibt's doch sicher gute Preise...
Im ersten Geschäft habe ich auch gleich meine Theorie bestätigt bekommen - theoretisch zumindest: "Ja, wenn Sie eine 10er-Packung nehmen, werden Sie in den meisten Geschäften hier einen Rabatt bekommen." Klingt gut. Also frage ich nach dem Preis einer 10er-Packung Fuji oder Kodak. Doch soviele Diafilme dieser "teuren" Hersteller waren leider nicht lagernd. Dafür wurde mir die "Hausmarke", irgendein nicht näher spezifizierter, umbenannter Konica-Verschnitt empfohlen. Und der Rabatt? "Ja, wissen Sie, der Film ist schon so günstig, da können wir keinen Rabatt mehr geben, selbst wenn Sie 10 nehmen."
Aha, der Mengenrabatt existiert also nur theoretisch. Nein, Moment! War nicht die Rede von "in den meisten Geschäften"? Also gleich zum nächsten. Enttäschung! Kein Rabatt. Dafür auch keine Entwicklung im Preis eingeschlossen. Fein, auf Nimmerwiedersehen! Weiter ins nächste Geschäft. Dasselbe nochmal, aber diesmal zu einem höheren Preis. Na toll, wenn das so weitergeht...
Irgendwann, als ich alle Fotoshops abgeklappert habe und immer noch keinen einzigen Film gekauft habe, lande ich dann in einem "Media-Markt-in-klein", also einem jener "Fachgeschäte", in denen es höchst unerwünscht ist, dem geschulten Verkäfer eine Frage zu stellen - es sei denn die nach dem Preis, aber auch nur dann, wenn dieser gut sichtbar am Objekt des Interesses angebracht ist. Und siehe da, Aktionspreise! 200 ASA Fuji Sensia II inklusive Entwicklung 40 Finnmark. Das ist billiger als exklusive Entwicklung in den Fotogeschäften. Also mache ich von meinem Vorrecht, einen Verkäfer zur Sicherheit nochmals nach dem Preis zu fragen (obwohl - oder gerade weil dieser unübersehbar auf den Regal angebracht ist). Ja, tatsächlich inklusive Entwicklung, und - natürlich - nein, Mengenrabatt gibt es keinen. Egal! Ich baue einen lustigen Turm aus 10 Filmen, balanciere ihn bis zur Kasse und bezahle, in der guten Hoffnung, gute Ware für gutes Geld zu kaufen.
Die Hoffnung war gut, das Geld auch. Doch die Ware mußte ihre Qualität erst unter Beweis stellen. Also beginne ich zu photographieren (oder: fotografiren -- falls meine Schreibweise schon zu antiquiert sein sollte). Na ja, nicht am selben Tag, es ist schon dunkel. Gut, am nächsten Tag Schneesturm. Danach Regen. Dann total dunkel. Dann...
...jetzt im März habe ich den ersten Film schließlich ausphotographiert. Schließlich sollten die ersten Bilder ja nicht als Graukarte zur Belichtungsmessung dienen... Also, Film in den kleinen Beutel, der beigelegt war, Name und Adresse draufschreiben und in den nächsten Briefkasten werfen. Ich kenne das System ja schon von zuhause: Film kostenlos an Fuji schicken, 3, 4 Tagen warten, dann schickt Fuji die fertig entwickelten Dias zurück. Gut, ich habe den Film am Freitag aufgegeben, also kein Problem, wenn er am Dienstag nicht fertig ist. Mittwoch. Donnerstag. Vielleicht dauert's in Finnland länger. Freitag. Samstag. Sonntag. Ja, sicher, Weihnachten ist noch nicht lange her, die Labors sind noch voll ausgelastet mit den Nachbestellungen. Montag. Dienstag. Na aber schön langsam wär's Zeit. Mittwoch. Donnerstag. Das darf ja nicht wahr sein! Welcher Idiot hat den Film verschmissen? Die Post beim Hinschicken? Fuji Finnland beim Entwickeln? Die Post beim Zurüchschicken? Na geh, das ist echt unfair. Beim ersten Film! Und ich hab' noch neun andere!!! Was soll ich damit machen? Photographieren und hoffen, daß zumindest jeder zweite zurückkommt? Unlustig. Verkaufen? Vielleicht werd' ich ja reich dabei - und kann mir dann die teuren anderen Filme leisten. Aber eine Frechheit ist's trotzdem! Da wären so geniale Bilder dabei gewesen. Vor allem so viele, die ich bei -15 Grad gemacht habe - echt toll, wenn die eingefrorenen Hände dann nicht entschädigt werden. Und die Batterie in der Kamera ist dabei auch umsonst fast leer geworden.
Freitag. Samstag. Nein, noch nicht Samstag, Freitag Abend: Die Dias kommen an. Schon habe ich kaum mehr daran geglaubt... Anscheinend friert Fuji Finnland manchmal das Labor ein, aber kein Wunder bei diesen Temperaturen hier. Oder war's die Post? Nun, in ein, zwei Wochen wissen wir mehr. Ich habe inzwischen zwei weitere Filme aufgegeben - am selben Tag in verschiedenen Briefkästen. Mal sehen, welcher der schnellere ist...
Übrigens, bevor ich's vergesse: Die Qualität der Bilder ist überraschend gut. Ich war vorsichtig und hätte einem 200er-Diafilm diese Qualität nicht zugetraut. Prädikat: Günstig und empfehlenswert!