Der Helsinki-Report |
Kyykkä
Kyykkä - alles klar? Nein, nichts ist klar. Also fangen wir mit dem Einfachsten an - mit der Aussprache. Kyykkä liest sich nicht "Kika" (und hat auch nichts damit zu tun). Auch "Kiiika" und ähnliche Variationen des Hahnenschreis sind vollkommen fehl am Platz. Tatsächlich wird das seltsame Wort wie "küük-ka" ausgesprochen. "k-k" deutet den langen Konsonanten (!) an. Das soll sich jetzt nicht wie ein Maschinengewehr anhören, also "kakakakakaka". Es wird nur eine kleine Pause gemacht, wenn das "k" gesprochen wird. Also keine zwei "k" sprechen, sondern - wenn sich der Mund nach dem langen "ü" zum "k" umformt, einfach kurz warten und dann mit "ka" weitermachen. Das ist der tiefere Sinn der Schreibweise "k-k".
So, nachdem der werte Leser (heute scheine ich meinen freundlichen Tag zu haben) ausreichend lange das seltsame Wort ausgesprochen hat und es ihm sowie seiner daran vielleicht gar nicht so interessierten Umgebung vertraut genug vorkommt, begeben wir uns auf den Sinn, der hinter dem Wort steckt.
Wahre Kenner des Internets, die jeden Winkel des Netzwerkes wie ihre Westentasche kennen, haben http://www.students.tut.fi/~kyykka natürlich längst gelesen und sind im Bilde. Die braven Internetbenutzer, die sich vollkommen zu Recht damit begnügen, den Helsinki-Report im Internet zu lesen und massenweise Leser-Emails (oder persönliche an den Chefredakteur, der wo ich bin) zu schreiben, dürfen jetzt aber nicht auf der Strecke bleiben.
Daher: Kyykkä ist eine alte, very finnische Sportart. So finnisch übrigens, dasz bei den Weltmeisterschaften immer nur Teilnehmer aus Finnland antreten... Tatsache! Letzte Woche waren die akademischen Meisterschaften! Aber da habe ich noch nichts von Kyykkä gewuszt - vielleicht würde sonst der erste nichtfinnische Weltmeister diesen Bericht schreiben. Doch dazu später...
Ziel des Spieles ist es, mit einem Holzstock (ähnlich einem Baseball-Schläger) auf
kleine Kyykkäs (das sind kleine Holzzylinder, ca. 20 cm hoch und 10 cm Durchmesser) zu
werfen und dadurch die Kyykkäs aus dem Spielfeld zu schieszen. Wie bei jeder Sportart ist
natürlich fraglich, welchen Sinn das haben soll. Bevor jetzt jemand lacht, soll er
doch einmal darüber nachdenken, warum es in Österreich ein - zumindest passiver -
Volkssport geworden ist, in Gruppen von 2mal 11 Mann (manchmal Frau) einem Ball
nachzulaufen und ihn durch Fusztritte an zwei verschiedene durch Metallstangen und Netze
wohldefinierte Plätze zu befördern. Doch weg vom Fuszball, zurück zu Kyykkä.
Der Schläger und die Kyykkäs
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Auch wenn die Kyykkäs, hier noch in der grünen Tasche, aussehen wie Korken - sie sind
gar nicht so klein. Man beachte, dasz die "Wurfschläger" gut über einen halben
Meter lang sind...
Das Spielfeld
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Das Spielfeld ist von roten Schnüren in 3 Regionen unterteilt. Blau eingezeichnet sind
die Kyykkäs, wobei auf jeder blauen Position zwei Kyykkäs übereinander stehen. In der
Realität schaut das dann etwa so aus:
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Das Regeln
Es spiele zwei Teams zu je vier Personen gegeneinander. Pro Durchgang schickt jedes Team zwei Spieler zum Werfen, wobei jeder Spieler zwei Würfe hat - also vier Würfe pro Team und Durchgang. Es wird mit dem Schläger auf die Kyykkäs geworfen! Die folgenden Bezeichnungen beziehen sich auf die obige Graphik vom Spielfeld.
Das erste Team wirft von Postion "A" bzw. "B" auf die Kyykkäs im rechten Teil des Spielfeldes. Das zweite Team wirft auf die linken Kyykkäs, aber von Position "C" bzw. "D". Das erste Team musz die Kyykkäs aus dem Feld "2" hinausschieszen, das zweite Team aus dem Feld "1".
Bis der/das/die (?) erste Kyykkä aus dem entsprechenden Feld hinausgeschossen ist, musz von der weiter entfernt gelegenen Position ("A" bzw. "D") geworfen werden, dann jedoch darf auf die Positionen "B" bzw. "C" vorgerückt werden.
Gespielt wird eine vereinbarte Anzahl von Durchgängen. Nach dem letzten wird gezählt, wieviele Kyykkäs das erste Team noch in Feld 2 (bzw. das zweite Team noch in Feld 1) hat. Für jedes Holzstück (Kyykkä) gibt's 2 Strafpunkte. Kyykkäs, die direkt auf der Begrenzungslinie liegen, werden mit nur einem Punkt bestraft. Gewonnen hat, wer weniger Punkte hat.
Die Action
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Ein echter Finne beim Werfen von Position "B". Man beachte die
Länge des Wurfschlägers! Es ist gar nicht so einfach, wie es hier ausschaut.
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So schaut es aus, wenn ein Kanadier (aus Quebec - vgl. Ein Kanadier in Helsinki - pourquoi?) zum ersten Mal in
seinem Leben Kyykkä spielt. Und so sieht es aus, wenn er das Resultat seines Wurfes
sieht.
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Na ja, man kann ja nicht erwarten, dasz man von Anfang an bei den Profis
mitspielen kann. Schlieszlich musz es ja einen guten Grund dafür geben, dasz nur Finnen
an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Aber nicht jeder Nicht-Finne ist ein schlechter
Kyykkä-Spieler, es gibt wahre Naturtalente, z.B.:
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Man beachte die spielerische Leichtigkeit, mit der der Meister den Schläger wirft. Die optimale Flugbahn, die der Schläger einnimmt, kann auf dem Bild leider nicht erkannt werden. Ich versichere Euch aber, es war einer meiner besten Würfe!