Der Helsinki-Report  

 
Über zwei verschiedene Sprachen

Da ich's noch nie explizit gesagt habe: Der Helsinki-Report ist eine österreichische Zeitschrift. Logischerweise ist die verwendete Sprache Österreichisch ;-) "Leinwand!" werden sich jetzt die einen denken, "Was bedeutet 'leinwand'?" werden die anderen fragen. Ich bin hier in Helsinki der öfteren auf die problematische Situation gestoßen, einem Finnen klarzumachen, daß ich aus Österreich komme und daher "Österreichisch" spreche. Und nicht "Deutsch", wenngleich der Durchschnitt der beiden Sprachen ein hochgradig nichtleerer ist! Es geht nicht darum, die eine Sprache gut oder die andere schlecht zu machen. Es geht vielmehr darum, einige der hochinteressanten Unterschiede zu verstehen!

Also: offizieller Weise wird hier von Topfengolatschen und nicht von Quarktaschen, von Zwetschken und nicht von Pflaumen, von Marillen und nicht von Aprikosen, von Gemütlichkeit und nicht von (was ist das deutsche Synonym für diese so typisch österreichische Eigenschaft?) die Rede sein.

Besonders heikel (oder müßte ich jetzt konsequenterweise "haglich" schreiben?) sind natürlich jene im Alltag so oft vorkommenden Bezeichnungen, die auf den ersten Blick gar nicht dem deutsch-österreichischen Sprachraum entspringen wie z.B. Pommes frittes. Um die Sache etwas verständlicher zu machen, sei ein kleiner Ausflug ins Land der Phantasie gewagt... (also bloß nicht ernst nehmen!) In Österreich ist vielerorts noch der alpenländische Erfinder der fetttriefenden Köstlichkeit bekannt ist, nämlich ein gewisser Fritz Pomm. Die von ihm gefertigten, handgeschnitzten Kartoffelstangerl, die er originalerweise in bestem Schweinsfett herausgebacken hat (hier erkennt der kulinarische Fachmann unzweifelhaft die österreichische Herkunft!), gehören unter Sammlern mittlerweilen zu den begehrtesten Exponaten, weit vor MacDonald's "Ur-Pomme-Fritte" und den zahlreichen Designer-Kopien, darunter die als Chips bekannten flacheren, härteren und wesentlich länger haltbaren Kartoffelscheiben.

Traditionsbewußte nennt der Österreicher diesen kulinarischen Glücksgriff unseres Jahrhunderts - nach dem Erfinder - "Pomm Fritz". Leider hat es Pomm aus Gemütlichkeit, für die er bekannt war (hier macht sich unwiderlegbar die österreichische Herkunft des Erfinders bemerkbar), verabsämt, die Erfindung sogleich zu patentieren. Als die gelbe Kartoffelspeise international bekannt wurde, hat sich dann die - sinngemäß nicht schlechte - französische Interpretation des Namens, Pommes Frittes, eingebürgert, die in der geschriebenen trotz heftigen Dagegenhaltens auch in Österreich Einzug gefunden hat. Eine der positiven Seiten der neuen Rechtschreibreform dürfte es sein, dem Erfinder nun auch im geschriebenen Wort wieder Tribut zollen zu dürfen.

Aus diesem Kontext dürfte klar hervorgehen, warum für den patriotische Österreicher die deutschen Bezeichnung "Pommes", die dann auch noch als Pomm-e-s ausgesprochen wird, keinesfalls annehmbar erscheint. (Ende Auslug ins Phantasieland, ab sofort wieder ganz ernst... ;-)

Daneben machen sich aber auch Mentalitätsunterschiede bemerkbar, sodaß manche Begriffe schlicht unübersetzbar werden - oder durch einen anderen Begriff approximiert werden müssen. Um bei Pomm zu bleiben: Die in Deutschland mancherorts bekannte "Fritten-Bude" hat sich in Österreich nicht durchgesetzt. Der kleine Hunger zwischendurch wird nicht mit "Fritten mit Tuncke" von der "Fritten-Bude" gestillt. Stattdessen begibt sich vor allem der Wiener zum nächsten Würschtlstand, auf daß der wohlgeformte Körper durch eine klassische "Eitrige mit Buckel" eine ganze Menge Nährstoffe erhalte, mit denen er besser nie in Kontakt gekommen wäre. (Eine "Eitrige mit Buckel" ist ein Käsekrainer mit Brot, den wienerischen Begriff für den dazu gerne verabreichten Senf erspare ich dem Leser...) Wer an der Thematik interessiert ist, dem sei ein Artikel empfohlen, der in der österreischen Tageszeitung Der Standard erschienen ist: Chefsalat und Big Mäc sind keine Gefahr für heimische Käsekrainer.

Damit sollte eigentlich gezeigt sein, daß Österreichisch nicht Deutsch und Deutsch nicht Österreichisch ist. Doch das eigentliche Problem ist damit weiterhin offen: Wie sag ich's meinen Finnen???

Zurück zur Übersicht